Camper in Neuseeland an der Golden Bay
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Einen Camper in Neuseeland kaufen – Wie es in zwei Tagen klappt

Bei den Vorbereitungen unserer Reise wurde schnell klar, dass wir einen eigenen Camper in Neuseeland kaufen werden – die Mietpreise für ein Vierteljahr wären ein paar Monatsgehälter gewesen. Noch vor dem Abflug haben wir also täglich den Facebook Marketplace durchsucht, Besichtigungstermine ausgemacht und die Daumen gedrückt, dass unser Favorit ein paar Tage später noch zu haben ist. War er natürlich nicht.

Camper kaufen: Privat oder vom Händler?

Die optimalen Eckdaten für einen Camper ähneln sich auf den meisten Blogs: nicht älter als 15 Jahre, nicht mehr als 200.000 Kilometer gefahren, aktuelle REGO und WOF (sowas wie unser TÜV). Als Budget haben wir uns maximal 10.000 NZD gesetzt, also etwa 6.000€. Nachdem wir am Tag unserer Ankunft nach rund 35 Stunden Reisezeit nur noch ins Hostelbett gefallen sind, ging es am Tag drauf direkt los mit der Suche nach unserem Mobile Home. Bei Facebook hatten wir einen ganz vielversprechenden Camper entdeckt – in echt war das Ding absoluter Mist. Die anderen Camper, die wir mit unseren Kriterien bei Facebook gefunden haben, waren beinahe sofort wieder verkauft. Also auf zum Händler.

Zuerst sind wir bei Hostel-Besitzer Anthony gelandet, der nebenbei auch Camper verkauft. Sein Hof sah ziemlich heruntergekommen aus, die Autos waren überladen mit Kram und machten allesamt nicht wirklich einen vertrauenswürdigen Eindruck. Und entgegen all unserer Kriterien wollte er uns von einem Benziner von 1998 mit über 350.000 Kilometern für 6.500 NZD überzeugen. Wie lange der noch machen würde? Auf alle Fälle nochmal 300.000 Kilometer. Probeliegen konnten wir nicht, weil das Auto zu vollbeladen mit sämtlichem Kram war. Und die Probefahrt machte der Verkäufer mit Felix auf dem Beifahrersitz, da seine Autos alle nicht angemeldet waren. Als er dann noch sofort 500 Dollar als Anzahlung wollte, weil das gute Stück am Tag drauf definitiv verkauft sei, haben wir uns auf unser Bauchgefühl und die Tipps von Freunden verlassen und das Ding nicht gekauft.

Die Camper von Joe und Damien

Unser Mobile Home: Ein alter Tradesmen-Wagen

Unser letzter Stop war die Bower Avenue im Nordosten Christchurchs, dort haben wir unseren Camper bei Joe und Damien gefunden. Nach dem vorherigen Gespräch mit Anthony kamen wir ziemlich frustriert bei den beiden an und waren mehr als glücklich, dass wir es dort mit zwei leidenschaftlichen Camper-Dudes zu tun hatten, die um Längen professioneller wirkten. Die beiden kaufen alte Tradesmen-Wägen auf und bauen diese zu Mobile Homes um: Mit Küchenzeile, Bett, Stauraum und bei Bedarf einem Tisch. Wir konnten uns jeden Camper in Ruhe anschauen, haben die zwei mit allen möglichen Fragen löchern dürfen und eine Probefahrt war überhaupt kein Problem. Die Entscheidung fiel am Ende zwischen zwei Campern, wir hatten nämlich noch mit einem Nissan Serena geliebäugelt, der ziemlich modern aussah. Lebenswichtiger Tipp: Probeliegen! Das Bett im Nissan war nämlich gute 10 Zentimeter zu kurz für uns. Damit hatten wir dann auch die Bestätigung, dass wir uns glücklich schätzen konnten, nicht das Auto vom Hostel-Besitzer gekauft zu haben. Das hatte nämlich dieselbe Größe wie der Serena.

So kamen wir also zu unserem Kia Pregio: Ein Diesel von 2006 mit 194.000 Kilometer für 8.500 NZD.

Unser Zuhause auf vier Rädern
Unsere “Möbel”

It’s all about the money – and the Sicherheit!

Anthonys stärkstes Verkaufsargument bei seinem sehr alten und ziemlich kleinen Camper war übrigens, dass dieser einen Allradantrieb und eine für deutsche Verhältnisse typische Knautschzone hatte – seines Erachtens ein absolutes Muss, auf das wir im ersten Moment auch angesprungen sind. Wenn man sich die Camper in Neuseeland aber genauer ansieht, wird schnell klar, dass bei dem Großteil der Motor unter die Vordersitze gebaut ist und ein großer Motorraum beziehungsweise eine große Knautschzone damit wegfällt – und trotzdem fahren alle damit rum. Selbst die meisten Miet-Camper sind solche Modelle, Allradantrieb hat kaum einer. Und da man mit einem Camper sowieso am liebsten gar keinen Unfall bauen will (und natürlich auch mit sonst keinem Auto), war unsere Devise: Sicher und gegebenenfalls mal etwas langsamer fahren und dafür nicht den letzten Schrott kaufen.

Was außerdem ein recht entscheidendes Thema ist? Das Geld, klar. Wir können von unserem DKB-Konto zwar relativ einfach überall Geld abheben, das aber mit einem Tageslimit. Trotz zweier Einzelkonten und einem Gemeinschaftskonto sind wir in zwei Tagen so nicht auf 8.500 NZD in bar gekommen. PayPal finden hier alle ziemlich dubios, für so große Beträge ist es allemal nicht die beste Option. Und Kreditkartenzahlungen kosten mitunter je nach Händler 3% Gebühren, was bei so einer Summe eine ganze Menge Geld ist. Am Ende haben wir 6.000 NZD in bar bezahlt und den Rest per TransferWise – ein Service für internationale Überweisungen, der einen sehr sicheren Eindruck macht. Das kostet zwar auch eine Gebühr, die hält sich aber glücklicherweise in Grenzen. Zugegeben, es ist ein ziemlich merkwürdiges Gefühl, an Tag drei der Reise schon einen so großen Teil des Reisebudgets auszugeben (so groß, dass Felix’ Portemonnaie gar nicht mehr zuging!). Damit haben wir uns aber auch ein riesiges Stück Freiheit gekauft und schlafen an Orten, an die ein Hostel niemals käme. Hierzu aber in einem anderen Beitrag mehr 🙂

Einen Camper in Neuseeland anmelden

Wer die deutsche Bürokratie gewohnt ist, wird sich sehr über die Anmeldeprozesse eines Autos in Neuseeland wundern. Den “Change of Ownership” macht man für 12 NZD in drei Minuten in jedem möglichen Post Office, das geht auch samstags. Die Versicherung haben wir bei AA (sowas wie der deutsche ADAC) telefonisch abgeschlossen, ebenfalls samstags. Unser Verkäufer hat in der Zwischenzeit das Self Contained-Zertifikat beantragt, damit wir auch auf Freedom Campingplätzen stehen dürfen. Bis man das finale Zertifikat für die Windschutzscheibe erhält, genügt bei Campingplatz-Kontrollen auch der Antrag als Nachweis. Alles in allem haben uns also zwei Tage gereicht, um den Camper in Neuseeland zu finden, überall anzumelden, eine Versicherung abzuschließen und die wichtigsten Dinge zu besorgen, um loszufahren.

Nichts geht über eine kleine Zwangspause

Stichwort losfahren: Das sind wir wie geplant vier Tage nach unserer Ankunft in Christchurch. Zuerst nach Kaikoura und von dort weiter Richtung Anakiwa. Aber schon am zweiten Tag mussten wir eine Zwangspause einlegen, weil plötzlich mitten auf der Straße der Motor ausgegangen ist. Diagnose: Diesel leer. Obwohl unser Camper nämlich angeblich so gut gewartet war, hat sich die Nadel der Tankanzeige leider nicht unter ein Drittel bewegt. Wäre ziemlich gut gewesen, das zu wissen. Bei der nächsten Tanke waren dann noch die Kanister ausverkauft, sodass wir ganze vier Stunden am Straßenrand standen. Obendrauf gab’s eine Zwangsmitgliedschaft bei AA Road Assistance, damit uns jemand Diesel bringt und den Motor checkt. Danach konnte die Fahrt dann weitergehen 🙂

Zwei Tipps: Schließt man die Mitgliedschaft für einen Camper in Neuseeland schon vor einem Schadensfall ab, kostet sie nur 70 statt 190 NZD für ein Jahr. Das könnte sich durchaus lohnen. Außerdem hat der Mechaniker uns nicht nur Diesel gebracht, sondern unseren Motor entlüftet und die Pumpe manuell wieder angetrieben. Wir waren im Nachhinein sehr froh, dass wir nicht selbst einfach Kraftstoff nachgefüllt haben. Dass man da etwas entlüften muss, war uns jedenfalls nicht klar.

Fazit: Nach dem Kauf ist vor dem Einrichten

Damit aus unserem Camper auch wirklich ein Zuhause werden konnte, gab es natürlich noch einiges zu tun. Hätten wir privat einen fertig eingerichteten Camper gekauft, wären uns mehrere Tage Arbeit und viele Wege zu Baumärkten erspart geblieben. Aber dann wäre unser Mobile Home auch nie so persönlich geworden. Wie unser Kia Pregio zu Walter Smitty wird und was es für die Einrichtung eines Campers in Neuseeland braucht, dazu gibt’s im nächsten Beitrag mehr.

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  • Pingback: Tipps, um in Neuseeland einen Camper einzurichten » ganz frei raus 10. November 2019