Blaue Coronavirus-Atemschutzmaske auf Boden
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Coronavirus auf Reisen: Wie Covid-19 unsere Route auf den Kopf stellt

Bei der Planung unserer Reise nach Südostasien war klar, dass uns hier einige Krankheiten erwarten könnten. Malaria, Dengue-Fieber, Japanische Enzephalitis, Schlangenbisse. Alles Dinge, die wir auf dem Schirm hatten, auch, wenn es die natürlich zu vermeiden galt. Worauf wir allerdings ganz und gar nicht vorbereitet waren, war, dass sich plötzlich eine neue Krankheit entwickeln könnte, die mit ihrem internationalen Interesse alles andere in den Schatten stellt. Bisher hatte der Coronavirus unsere Reise verschont, jetzt wird’s allerdings auch für uns chaotisch. Und da wir fast jeden Tag gefragt werden, wie die Lage mit dem Coronavirus auf Reisen ist, hier ein kurzer Einblick dazu, wie Covid-19 nun doch noch unsere Route durch Südostasien auf den Kopf stellt.

Überfüllte Apotheken in Singapur

Schon am Flughafen in Fiji haben wir die ersten Mitarbeiter mit den typischen Gesichtsmasken gesehen, in Singapur sind uns vor allem chinesische Touristen mit Masken aufgefallen, insgesamt wirkten die meisten Menschen aber relativ gelassen. Wo man die Nervosität allerdings stark spüren konnte: in Apotheken. Egal, an welcher wir vorbei gelaufen sind, überall haben sich Menschen getummelt und auf Lieferungen gewartet. Masken, Desinfektionsmittel, Seife: ausverkauft. Viele Läden haben “Out of Stock”-Schilder an ihre Scheiben gehängt, und gab es doch mal irgendwo Masken, haben die Leute in Menschentrauben vor der Apotheke gewartet. Ein bisschen wie bei der Veröffentlichung eines neuen Geräts vor Apple-Stores. Zu der Zeit gab es etwas mehr als zehn mit dem Coronavirus Infizierte in Singapur.

Als wir mit unserer Sonnencreme an der Kasse einer Apotheke anstanden, haben wir uns mit einer Chinesin darüber unterhalten, wie das mit den Masken eigentlich läuft. Neue Erkenntnis: Die klassischen chirurgischen Masken müssen spätestens alle vier Stunden gewechselt werden. Die alte Maske landet im Müll. Trägt eine Person also drei Masken am Tag über ein Jahr hinweg (denn für viele Menschen in China sind die Teile seit dem SARS-Virus 2012 und aufgrund von Smog längst Standard), macht das schon über 1.000 Masken Müll aus. Das will man gar nicht auf die Millionen Leute hochrechnen, die sich tagtäglich damit schützen. Oder sich zu schützen versuchen, denn die Effizienz der Dinger ist umstritten.

So oder so, in der zweiten oder dritten Apotheke kurz vor unserer Weiterreise nach Malaysia haben wir erfolgreich zwei kleine Fläschchen Desinfektionsspray ergattert. Ob die uns nun den Hintern retten, sei mal dahingestellt. Die Frau vor uns kaufte jedenfalls acht davon, der Mann nach uns die letzte. Zeit für das nächste “Sold out”-Schild.

Hände mit Desinfektionsmittel
Foto von unsplash.com

Entspannte Lage in Malaysia

Sobald wir nach Malaysia einreisten, wurde die gesamte Situation viel entspannter. Nur noch vereinzelt wurden Gesichtsmasken getragen, die Gegenden waren voller Touristen und auch verrückte Feste wie Thaipusam fand ganz normal statt. Je mehr Fälle in China gezählt wurden, desto mehr Nachfragen aus der Heimat gab es – in Malaysia ließ sich der Coronavirus aber ziemlich gut ausblenden. Das einzige Problem war die mangelnde Hygiene. In meinem Beitrag über unsere Reise durch Malaysia habe ich schon die etwas grenzwertige Toilettensituation erwähnt. Wenn es bei öffentlichen Toiletten oder denen auf Food Markets neben dem Waschbecken zu 90% keine Seife gibt, lässt sich das mit dem richtigen Händewaschen nicht so gut umsetzen. Desinfektionsmittel sei Dank, yeah!

Menschenmenge in Südoastasien mit Mundschutz wegen Coronavirus
Foto von unsplash.com

Viel weniger Tourismus in Thailand

In den ersten Wochen, die wir in Thailands Süden verbracht haben, hatte der Coronavirus noch immer keine sonderlich große Bedeutung für uns. Es gab erste Fälle in Europa, über die damit verbundene Sorge einiger Menschen haben wir aber – wie viele unserer Freunde – eher geschmunzelt. Masken wurden hier plötzlich im Vergleich zu Singapur überall verkauft: Im Schuhegeschäft, am Straßenrand, im Hostel. Die Situation war total in Ordnung. Je mehr Zeit verging, desto deutlicher wurden allerdings auch hier die Auswirkungen des Coronavirus auf Reisen. Sonst beliebte Touristengegenden wie Ayutthaya, Chiang Mai oder Pai waren nur wenig besucht. Cafés und Restaurants sind ziemlich leer und Locals erzählen, wie stark der Tourismus zurückgegangen ist. Es scheint sie also doch zu geben, die Angst vor Reisen in die Nähe von China. Dass sich die Lage dann aber plötzlich in Europa so zuspitzen würde, damit hat wohl niemand gerechnet.

Täglich gab es plötzlich neue Eilmeldungen zu Infiziertenzahlen, Italien riegelte sich ab, Deutschland meldete mehr und mehr Fälle. Während uns am Anfang regelmäßig gesagt wurde, wir sollen bloß gesund bleiben, hieß es jetzt, wir sollen lieber noch eine Weile hier bleiben. Wir haben die Veränderungen regelmäßig verfolgt und sind tatsächlich ziemlich froh, gerade weit weg von zunehmender Sorge und leer gefegten Supermarktregalen zu sein. Und wenn wir uns Berichte zu den dramatischen Situationen in italienischen Krankenhäusern ansehen, verstehen wir sehr gut, dass Menschen Angst haben.

Mit dem Coronavirus auf Reisen: Vietnam macht seine Grenzen dicht

Eigentlich stand der Verlauf unserer Reiseroute fest. Von Thailand nach Laos, weiter nach Vietnam und von dort Ende April mit dem Flieger aus Hanoi zurück nach Hamburg. Am 11. März entschied Vietnam von heute auf morgen, seine Einreise für Europäer und Reisende aus Kambodscha einzuschränken. Statt einem “Visa upon arrival” musste plötzlich vorab ein Visum beantragt werden. Soweit kein Problem, denn in unserer ersten Station in Laos gibt es ein vietnamesisches Konsulat. Doch dann kam nur drei Tage später die nächste Meldung: Ab dem 15. März gilt ein Einreiseverbot für Europa und Großbritannien. Oha!

Wir sind so daran gewöhnt, ganz easy überall ein- und ausreisen zu dürfen, dass wir uns so etwas partout nicht vorstellen konnten. Nun sitzen wir allerdings seit gestern da und werkeln an einem Plan B, den es noch immer nicht so richtig gibt. Unser Visum für Thailand endet morgen, am 16. März – wir fahren also zunächst mal nach Laos, wo wir 14 Tage bleiben dürfen, sofern sich nichts ändert. Was danach passiert? Ein großes Fragezeichen.

Abwarten und Eistee trinken

Unser Reisebüro, über das wir unsere Flüge gebucht haben, versucht gerade all diejenigen zurück nach Deutschland zu holen, die wegen des Coronavirus ihre Reise in Ländern wie Mexiko oder Neuseeland abbrechen müssen. Ziemlich verständlich, dass es dort gerade keine Auskünfte zur Situation in ein paar Wochen gibt. Der Tipp dort: Nach unserer Zeit in Laos sollen wir erstmal versuchen, irgendwo anders einzureisen und anschließend unsere Flüge umzubuchen. Falls das nicht klappt, wird versucht, uns von Laos aus zurück nach Deutschland zu “holen”.

Wir überlegen momentan also, welches Land wir nach Laos noch bereisen könnten. Da sich die Lage in Bezug auf Einreisebestimmungen allerdings täglich ändert, können wir das aktuell so gar nicht planen. Es wird also wohl so werden, dass wir verschiedene Botschaften in Vientiane abklappern. Vielleicht können wir zurück nach Thailand, oder aber in angrenzende Länder wie Kambodscha oder Myanmar. Denn Aussichten wie in Indonesien, wo uns gegebenenfalls zwei Wochen Quarantäne in einer Massenunterkunft erwarten, klingen eher gruselig! Die Situation aktuell ist also ziemlich ungewiss und merkwürdig.

Statt Coronavirus plötzlich PM2.5

Für uns gab es heute dann plötzlich doch noch Anlass, zwei Atemmasken zu kaufen. Allerdings nicht wegen des Virus, sondern wegen der abartig hohen Luftverschmutzung in Chiang Rai. Die liegt aktuell nämlich zum Teil bei Werten über 400 und damit deutlich in der höchsten Risikostufe “gesundheitsgefährdend”. Hier gibt’s einen Live-Rechner, der das ziemlich gut zeigt. In Thailand liegt das Maximum der vertretbaren Smog-Werte eigentlich bei 50. Die Luft ist hier so verdreckt, dass wir seit Tagen weder Horizont noch blauen Himmel sehen können, die Sonne scheint nur selten mal durch. Alles wirkt ein bisschen nach Endzeit-Stimmung. In der Stadt fährt die Feuerwehr rum und versprüht Wasser auf der Straße, und tatsächlich gibt es die offizielle Warnung an alle, sich mit Atemschutzmasken auszustatten. Oder, sich am besten gar nicht draußen aufzuhalten. Wir haben uns also heute Morgen mit wiederverwendbaren Masken eingedeckt und laufen seitdem so rum:

Mann mit Atemmaske an Hauptstraße mit Smog in Thailand

Ganz schön merkwürdig ist das alles. Nicht zu wissen, was kommt, fühlt sich ebenso komisch an wie der Gedanke, gerade eigentlich gar nicht so wirklich nach Deutschland zu wollen. Wir wünschen euch allen jedenfalls, dass ihr gesund bleibt und in dem Drunter und Drüber einen kühlen Kopf bewahrt. Wie es bei uns weitergeht und ob der Coronavirus unsere Reise fortsetzen lässt, erfahrt ihr hier.

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