Flugtafeln mit gestrichenen Flügen
reisen

Reiseabbruch wegen Corona: Hallo Chaos!

Als wir am 16. März nach Laos einreisten und dann zwei Tage lang mit dem Slowboot über den Mekong tuckerten, stand ein Reiseabbruch wegen Corona für uns in weiter Ferne. Dass sich die Lage in nicht einmal einer Woche komplett gedreht hat, hat die letzten Tage unserer Reise allerdings ganz schön auf den Kopf gestellt. Und weil das alles so spannend war, gibt’s hier einen kleinen Rückreise-Krimi!

Slowboat auf Fluss Mekong in Laos

Visum für Vietnam? No, no, no, no!

Ihr erinnert euch an den ersten Beitrag zum Coronavirus auf unserer Reise? Zu dem Zeitpunkt wussten wir zwar, dass Vietnam seine Grenzen geschlossen hatte. Eigentlich sind wir aber davon ausgegangen, dass wir die übrigen anderthalb Monate dann einfach in einem anderen Land verbringen. Ein Reiseabbruch wegen Corona war zu dem Zeitpunkt für uns in weiter Ferne.

Stattdessen ging es erstmal wie geplant nach Laos, da unser Thai-Visum abgelaufen war. Der Grenzübergang hat lange gedauert, war aber sehr einfach (unbedingt an Passbilder denken). Am 17. März sind wir dann nach zwei Tagen Bootsfahrt in Luang Prabang angekommen und haben am Tag darauf ganz optimistisch der vietnamesischen Botschaft einen Besuch abgestattet. Das Ergebnis: Auf unsere Frage, ob es doch noch Visa für Vietnam gäbe, wenn man nun einige Monate nicht in Europa war, wurden wir herzlich ausgelacht. “No, no, no, no”, hat der Botschafter gesagt, nachdem er sich schnell seinen Mundschutz übergezogen hat.

Coronavirus-Hinweisschild vor vietnamesischen Konsulat

Das große Durcheinander auf der Jagd nach Informationen

Inzwischen hatte Deutschland schon die internationale Reisewarnung ausgesprochen, erste Rückholaktionen für gestrandete Urlauber wurden organisiert. Für uns Anlass genug, unsere Rückflüge vom Reisebüro umbuchen zu lassen. Statt am 28. April von Vietnam sollten wir nun am 30. März von Bangkok über Dubai nach Frankfurt fliegen. Ein Plan, der anderthalb Tage lang super klang, dann haben sich die Ereignisse plötzlich überschlagen.

Sämtliche Länder um uns herum haben Einreisebedingungen verstärkt, Grenzübergänge geschlossen, Quarantäne verordnet. Infos zu Laos? Keine. Am Morgen des 20. März hatte das Auswärtige Amt noch keine Meldungen, die deutsche Botschaft in Laos’ Hauptstadt ebenfalls nicht. Durch viel Zufall bin ich auf die Website der laotischen Botschaft in der Schweiz gestoßen, und ab diesem Moment war klar: Wir müssen so schnell wie möglich zurück. Denn klammheimlich hatte Laos bereits am 18. März keine neuen Visa mehr vergeben und alle existierenden Visa ausgesetzt. Beinahe alle Landesgrenzübergänge waren geschlossen. Und alle, die das Land ab diesem Tag doch noch betreten durften, wurden in Zwangsquarantäne gesteckt.

Einmal zurück nach Bangkok, bitte.

Flüge von Laos nach Bangkok wurden plötzlich im Stundentakt geändert, zuhause hat ein guter Freund von uns mit wenig Erfolg versucht, von den Botschaften in Deutschland Infos zu erhalten. Denn da das alles nicht schon chaotisch genug war, konnten wir aus Laos leider nicht telefonieren. Weder unsere laotische und thailändische noch die zwei deutschen SIM-Karten funktionierten. Wir haben also versucht, online einen Flug nach Bangkok für den Folgetag, den 21. März, zu buchen. Als Felix gerade alle Daten eingegeben hatte, kam die nächste Hiobsbotschaft. Ab dem 21. März benötigt jeder, der in Thailand einreisen möchte, ein Gesundheitszertifikat und die Bestätigung der Auslandsreiseversicherung, Coronafälle mit mindestens 100.000 USD abzudecken. Natürlich gibt es in Luang Prabang keinen Arzt, der sowas ausstellt. Und unsere Versicherung konnten wir trotz 24-Stunden-Notfallnummer ja leider trotzdem nicht anrufen.

In unserem Hostel haben wir zwei andere Deutsche getroffen, einer von ihnen hatte für den 21. schon einen Flug nach Bangkok von Luang Prabang aus gebucht. Während er sein Glück damit versucht hat, haben wir einen Minivan nach Vientiane, der laotischen Hauptstadt, gebucht. 10 Stunden mit anstoßenden Knien und verängstigten Einheimischen im Kleintransporter sitzen, halleluja. In der Mittagspause dann die Nachricht vom anderen Reisenden: Er sitzt im Flugzeug, die Regelung gilt erst ab Mitternacht! Also wieder das Handy raus, die letzten Flüge an diesem Tag von Vientiane nach Bangkok rausgesucht und gebucht. Weiter ging die Fahrt. In Vientiane auf zum Flughafen und von einem Einheimischen erfahren, dass ab dem Folgetag hier wohl nichts mehr fliegen würde. Als wir mit vielen anderen nervösen Reisenden einchecken durften, dann am Gate saßen und schließlich das Flugzeug betreten haben, konnten wir all das kaum fassen. Hinter uns wurde am Flughafen nur noch geputzt und dann das Licht ausgeschaltet – wer weiß, ob für die Nacht oder die nächsten Wochen.

Leere Bänke am Gate in Flughafen

Auf der Suche nach neuen Rückflügen mitten im Corona-Chaos

Die Einreise in Thailand war für uns zum Glück relativ einfach. Wir mussten vor Ort einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen und die Passkontrolle war ziemlich umfangreich. Einreisen durften wir aber letztendlich problemlos. Am nächsten Morgen, also am 22. März, sind wir dann direkt zum internationalen Flughafen gefahren. Die Lage hat sich zu schnell geändert, um noch irgendetwas online zu buchen. Und auch unser Reisebüro sagte uns, dass es dort keinen Zugriff mehr auf Flugbuchungen gäbe. Erste Anlaufstelle für uns also: der Emirates-Schalter. Dort wurde uns mitgeteilt, dass ab diesem Tag keine Flugzeuge mehr aus Dubai nach Frankfurt fliegen dürfen und wir keine Transit-Genehmigung für Dubai bekämen. Direktverbindungen gab es keine, alternative Flüge offenbar auch nicht. Die Empfehlung der Mitarbeitern: Acht Tage Däumchen drehen und am Tag des eigentlichen Rückfluges wiederkommen und hoffen, dass wir auf eine alternative Route umgebucht werden. Angesichts der aktuellen Lage klang das eher wie ein Witz.

Wir haben also online geguckt, welche Airlines überhaupt noch nach Deutschland fliegen. Nächste Anlaufstelle: Thai Airways. Dort habe ich erfahren, dass wir mit unserem deutschen Pass offenbar überhaupt keinen Flug mit Zwischenstopp mehr buchen können. Denn angeblich lässt uns kein Land mehr rein, nicht einmal für zwei Stunden Transit. Eine positive Nachricht gab es allerdings auch. Tatsächlich ging von Thai Airways jeden Tag ein Direktflug nach Frankfurt. Die Plätze waren allerdings für die nächsten anderthalb Wochen komplett ausgebucht. Die Mitarbeiterin hier bot mir dann an, Business oder Standby zu fliegen. Zum Schnäppchen-Preis von 2.700€ pro Person! Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viele Leute aus ihrer Verzweiflung heraus solche und noch viel teurere Preise gezahlt haben. In diesem Beitrag in der Tagesschau berichten gestrandete Reisende von Flugpreisen in Höhe von 14.000€ pro Person!

Reiseabbruch wegen Corona: Applaus für Mitarbeiter mit Herz

Unsere dritte Option war ein Eurowings-Flug, der noch am selben Nachmittag nach München ging. Inzwischen war uns ziemlich egal, wo wir in Deutschland landen würden. Zuviel Auswahl gab es schließlich nicht mehr. Während Felix auf gut Glück in der Check-in-Schlange stand, habe ich mich mit vielen anderen Deutschen am Service-Schalter eingereiht. Felix wurde am Check-in relativ ruppig abgewiesen. In meiner Schlange war allerdings klar, dass es noch Plätze für den Flug gab, denn vor mir wurden einige Passagiere mit Eurowings-Tickets umgebucht. Der Vorgang dauerte allerdings locker fünfzehn Minuten pro Paar, und als wir nur noch zu sechst vor dem Schalter standen, wurde der Flug geschlossen.

Vor uns standen zwei Männer, die Tickets für einen gestrichenen Flug einige Tage später hatten. Hinter uns standen zwei Mädels, die ebenfalls mit Emirates geflogen wären. Wir standen also alle gemeinsam (Krisensituationen schaffen ziemlich schnell eine Verbindung) vor dem Schalter und haben die Lufthansa-Mitarbeiterin gefragt, ob wir Tickets für den Flug am Folgetag bei ihr kaufen können. Verkaufen dürfe sie keine Tickets, hat sie gesagt. Umbuchen aber schon. Als wir sie daraufhin gefragt haben, ob wir jetzt einfach Tickets für einen Flug am Wochenende online buchen könnten und sie diesen im Anschluss direkt umbuchen würde, hat sie tatsächlich einfach gelächelt und zugestimmt. “Mich stört das nicht, euch alle jetzt noch fix umzubuchen.” Das war wahrlich unsere Rettung – auch für unseren Geldbeutel. Denn die Flüge, die wir dann eigentlich für den 28. März buchen konnten, haben “nur” 600€ pro Person gekostet. Die Umbuchung auf den Folgetag war kostenlos.

Geschlossene Läden, Essen to go

Gemeinsam mit unserer neuen Reisegruppe haben wir uns unheimlich erleichtert ein Hotel in der Nähe des Flughafens gebucht. Zur Belohnung für das ganze Chaos und als Feier für den letzten Tag unserer Reise sogar mit Pool und Hotelrestaurant. Und das war mehr als gut so, denn als Felix und ich auf der Suche nach einem späten Mittagessen durch die Gegend gelaufen sind, war klar: hier geht nichts mehr. Sämtliche Cafés und Restaurants hatten geschlossen, Starbucks verkaufte nur noch Kaffee to go, drinnen sitzen durfte man nirgends mehr. Die Einheimischen hatten ihre kleinen Stände geschlossen und das einzige, das in der Ecke noch ging, waren Online-Lieferdienste. Die Speisekarten gab’s allerdings zu 95% nur auf Thailändisch. Wir haben also im Hotelrestaurant unser letztes Pad Thai gegessen und den Abend mit den anderen vier Reiseabbrechern mit Monopoly Deal verbracht. Ein anderer Abschluss, als wir ihn uns vorgestellt hatten, aber trotzdem ziemlich schön!

Geschlossenes Tor vor Restaurant wegen Coronavirus

Die Rückkehr nach Deutschland

Mit dem Rückflug hat dann tatsächlich alles geklappt, es gab lediglich eine Stunde Verspätung. Ehrlich gesagt ziemlich unglaublich, denn auf den Anzeigetafeln im Flughafen schienen mehr als Dreiviertel aller Flüge gestrichen zu sein. Ebenfalls unglaublich: Einige Touristen waren besser ausgerüstet als unser hiesiges Gesundheitspersonal. Mundschutz, Gummihandschuhe, Schutzanzüge, Hüte mit Visier. Wer das nicht hatte, hat sich zum Teil mit Einweg-Regenponchos ausgestattet. Und ein Reisender war tatsächlich mit Schutzanzug und Taucherbrille unterwegs.

Im vollkommen ausgebuchten Flugzeug gab es dann regelmäßig Hygiene-Hinweise per Lautsprecher. Außerdem wurde jeder mit einer Schutzmaske gebeten, diese über den gesamten Flug hinweg zu tragen. Der Flughafen in München war wie erwartet ziemlich leer, von den vier Anzeigetafeln waren nur noch anderthalb mit Flügen von diesem und dem Folgetag befüllt. Die Einreise war erstaunlicherweise innerhalb weniger Minuten erledigt. Anders als angekündigt mussten wir nicht mal eine Gesundheitskarte ausfüllen.

Rückzahlungen nach unserem Reiseabbruch wegen Corona? Abwarten und Tee trinken…

Letztendlich sind wir mit unserer Rückreise ziemlich gut weggekommen. Am meisten überrascht hat uns aber definitiv die mangelnde Unterstützung seitens Botschaften und anderer öffentlicher Stellen. Inzwischen gibt es nun wohl organisierte Rückflüge der Bundesregierung aus Thailand und Laos – wir jedenfalls hätten aber in diesem Chaos keine weiteren zwei, drei Wochen dort feststecken wollen. Stattdessen sind wir inzwischen wieder in Hamburg angekommen und können in ein paar Tagen wieder in unsere Wohnung einziehen. Juhu!

Was jetzt noch für uns ansteht: Der Versuch, von Emirates oder unserer Reiseabbruchversicherung Kosten zurückerstattet zu bekommen. Mit den Flügen von Laos nach Bangkok und von dort nach München sowie der Weiterreise von München nach Hamburg haben wir insgesamt rund 1.800€ draufzahlen müssen. Eine Summe, auf der niemand gerne sitzen bleiben will. Die Ankündigung lautete aber natürlich schon, dass wir uns dafür wohl die nächsten Monate gedulden müssen. Bis dahin heißt es für uns jetzt also erstmal: Wieder einleben in Deutschland und gesund bleiben!

«

Und was denkst du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.