Grüne Teeplantagen in Malaysia
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Unsere Route durch Malaysia: Mit dem Bus quer durchs Land

Eigentlich begann unsere Route durch Malaysia noch in Singapur. Und zwar mit dem Bus, der uns über die Grenze bringen sollte. Wir hatten online gehört, dass wir uns auf lange Wartezeiten einstellen müssen – tatsächlich hatten wir unser Visum nach wenigen Minuten in der Tasche. Es konnte also losgehen. Unsere Route durch Malaysia in etwa zweieinhalb Wochen:

  • Malakka
  • Kuala Lumpur
  • Cameron Highlands
  • Penang
  • Langkawi

Malakka, die Stadt mit den unzähligen Schreibweisen

Wir hatten von Malaysia gar keine zu genaue Vorstellung und uns demnach zuvor auch keine bestimmte Route festgelegt. Da wir nicht direkt nach Kuala Lumpur fahren wollten, haben wir uns also auf einige Blog-Empfehlungen hin für Malakka (auch Melakka, Malacca, Melaka u.a.) entschieden. Unser Start dort war jedoch eher mittelmäßig. Online haben wir ein Zimmer im Dreamz Hostel gebucht, das Einchecken war schon recht chaotisch. Und als wir gerade gezahlt hatten, gab’s die Info “WIFI not working, repair in three days”. Die zweite Überraschung war das Zimmer selbst. Das Bad und die Ecke neben dem Bett waren ordentlich verschimmelt, das Fenster zur vierspurigen Straße ließ sich nicht richtig schließen und die Klimanlage konnte nur eine Temperatur: Arschkalt. Da wir noch nicht viel über die Standards in Malaysia wussten, haben wir das erstmal so hingenommen und uns auf den Weg gemacht, um SIM-Karten zu kaufen. Wer unterwegs arbeiten oder Sachen recherchieren will, ist ohne Internet einfach aufgeschmissen.

Neues Land, neue Herausforderungen

Malakka an sich war ganz schön. Es gibt viele kleine Cafés, der Kanal ist von bunt bemalten Häusern gesäumt und man kann gemütlich durch die Straßen schlendern. So toll, wie die Stadt online beschrieben wurde, fanden wir sie allerdings nicht. In diesen ersten Tagen auf unserer Route durch Malaysia gab es für uns allerdings einige unerwartete Überraschungen:

  1. Wenn man auf den lokalen Food Markets isst, sind vegetarische Gerichte nicht unbedingt Standard. Mit Hand und Fuß kann man aber immer erklären, dass man seinen Fried Rice nur mit Gemüse möchte (und dass man mit “vegetarisch” auch ohne Hühnchen meint).
  2. Das typische Klo in Malaysia ist die Hocktoilette mit Popodusche. Ein Loch im Boden also und ein Wasserschlauch oder Eimer mit einer kleinen Kelle. Das dient zum eigenen Saubermachen und zum Spülen zugleich. Kein Toilettenpapier, denn zum Abwischen ist die linke Hand gedacht. Das Problem? Ganz oft gibt es keine Seife am Waschbecken… Und auf dem Boden der Kabinen steht oft sehr viel Wasser (kein Wunder), in das man mit seinen offenen Schuhen eigentlich nicht reintreten will. Spätestens hier wurde klar, dass wir in Sachen Toilettenhygiene ganz schön verwöhnt sind.

Die dritte und größte Überraschung kam dann, als wir an unserem zweiten Abend im Hotel waren. Plötzlich tröpfelte nur noch ein bisschen Wasser aus dem Wasserhahn im Bad, bevor er ganz trocken blieb. Nachdem der Mitarbeiter irgendeinen Tank kontrolliert und mit ein paar Leuten telefoniert hatte, war klar: Das Wasser im gesamten Hotel ist ausgefallen. Wir wurden also nachts kurz vor zwölf in ein ähnlich schäbiges Partnerhotel desselben Besitzers umquartiert und waren zugegeben ziemlich froh, als wir am nächsten Tag wieder in den Bus gestiegen sind.

Kuala Lumpur: Abschalten mitten im Großstadtdschungel

Nach Singapur und Malakka hatten wir eigentlich das Gefühl, dass wir dringend rausmüssen aus Städten. Der Plan war also eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp in Kuala Lumpur. Aus dem wurde dann allerdings eine ganze Woche, vermutlich unserem fantastischen Hostel sei Dank. Wir sind im Mingle in Chinatown untergekommen, ein kleines Doppelzimmer mit Hochbett und Schreibtisch drunter gab’s für ungefähr 15€ pro Nacht. Inklusive? Jeden Abend ein kostenloses Community-Dinner und anschließend einen Cocktail, wenn man Lust auf Gesellschaft hatte. Außerdem hatte das Hostel eine grandiose Dachterrasse, die abends zur Rooftop Bar wurde und eine kleine Babykatze, die alle begeistert hat. Was uns in Kuala Lumpur am besten gefallen hat?

  • Die Kanching Falls in Selangor. Wasserfälle mitten im Dschungel, die über mehrere Ebenen gehen, zu denen man hochwandern kann. Das Hostel hat eine Tour für umgerechnet 2€ dorthin angeboten, die wir mitgemacht haben. Zu sehen gab’s ganz viele Affen und unheimlich schöne Natur, und zur Erfrischung konnten man in den kleinen Pools auf den unterschiedlichen Ebenen baden.
  • Der Butterfly Park nahe den Lake Gardens. So viele verschiedene Schmetterlinge und so ein hübscher Park! Ich hab davor gar nicht allzu viel erwartet, war nachher aber total begeistert von der Vielfalt an Schmetterlingen.

An unserem vorletzten Tag haben wir dann noch eine richtig touristische Hop-on-hop-off-Tour gemacht, um mehr von der Stadt zu sehen. Das war ziemlich nett und eine gemütliche Sightseeing-Option. Auf dem Weg lag dabei unter anderem der KL Eco Forest Park, der in ganz vielen Blogartikeln total gelobt wurde, insbesondere der Canopy Walk. Allerdings kostet der Park wohl seit Anfang 2020 Eintritt (und zwar nicht zu wenig) und ist dafür leider total heruntergekommen. Der Weg durch die Bäume war schön, gelohnt hat sich das aber nicht wirklich.

Zwei Geschichten zum Schmunzeln

An unserem ersten Abend in Kuala Lumpur wurden wir in einer Bar von einem sehr betrunkenen Typen mit Bärenstatur angequatscht. Der hat plötzlich angefangen, uns von seiner Ex-Freundin zu erzählen und ist auf einmal in Tränen ausgebrochen. Die beiden haben sich wohl vor über sieben Jahren getrennt. Das war einerseits echt herzzerreißend, andererseits aber auch so eine merkwürdige Situation, dass wir nicht so wirklich wussten, wie wir den Armen trösten sollen. Das hat dann glücklicherweise sein Kumpel mit neuem Bier geschafft.

Ein paar Abende später saßen wir dann an einem Streetfood-Stand, an dem man sich Essen auf Spießen aussucht und das in einer Art Panade gegrillt wird (unbedingt ausprobieren!) und wurden plötzlich von einem deutschen Aussteiger belagert. Er hat sich zu uns an den Tisch gesetzt und die folgenden zwanzig Minuten ohne Pause davon erzählt, dass er in Indien ein Gästehaus aufgemacht hat und wie fantastisch sein Leben jetzt als indischer Millionär ist. Natürlich ohne Arbeitserlaubnis oder dauerhaftes Visum… Wir schmunzeln immer noch über die beiden Typen.

Der absolute Wahnsinn: Thaipusam in den Batu Caves

Thaipusam ist eines der größten und krassesten indischen Festivals, es findet am Vollmondtag zwischen dem 14. Januar und dem 14. Februar statt. Wie auch schon mit dem Chinese New Year ist es ganz zufällig passiert, dass wir genau am 8. Februar zum diesjährigen Thaipusam in Kuala Lumpur waren. So richtig lässt sich gar nicht in Worte fassen, was bei dem Fest eigentlich passiert. Und glauben lässt es sich noch viel weniger. Am Freitagabend gegen 22 Uhr versammeln sich zehntausende Inder im Stadtzentrum Kuala Lumpurs, um gemeinsam zu den Batu Caves zu laufen. Barfuß und nach wochenlanger Fastenzeit, der Marsch dauert ungefähr 15 Stunden und wird begleitet von unheimlich lauter psychedelischer Musik.

Da die Batu Caves zum Besuch in Kuala Lumpur dazugehören, sind wir natürlich auch dorthin gefahren und wurden von dem, was sich uns bot, vollkommen umgehauen. Es waren hunderttausende Menschen dort, aus Lautsprechern wurden wir von oben erwähnter Musik angebrüllt, überall lagen bergeweise Schuhe und Müll herum. Wir sind also zusammen mit hunderten Gläubigen und Neugierigen die 272 Stufen zu den Batu Caves hochgestiegen. Drinnen bot sich ein ähnliches Bild wie vor dem Tempel, nur ohne Schuhe. Die Mülltonnen sind übergequellt mit Opfergaben und Wasserflaschen, überall saßen vollkommen erschöpfte Menschen rum, es war höllisch laut. Absolut verrückt. Das krasseste Bild bot sich allerdings, als wir schon wieder auf dem Weg aus dem Tempel waren. Wir haben tatsächlich einige “Kavadi-Träger” gesehen. Die Männer tragen bis zu 50 Kilogramm schwere Opfergaben zu Ehren ihres Kriegsgottes zum Tempel, die mit Haken in ihrem Körper befestigt sind.

Einerseits war es beeindruckend und wahrscheinlich ein absolut einzigartiges Erlebnis, das hinduistische Fest mitten an seinem Hotspot zu erleben. Andererseits waren der Lärm und die Menschenmassen einfach viel zu viel und wir waren heilfroh, als wir wieder in der Bahn zurück in die Stadt saßen. Wer jetzt neugierig geworden ist auf noch mehr Bilder oder Infos zu Thaipusam, der kann sich den ausführlichen Blogbeitrag von flocutus zum indischen Festival der Schmerzen anschauen.

Cameron Highlands, ein Muss auf der Route durch Malaysia

Nach so viel Zeit in Städten ging es für uns dann endlich in die Natur zu den Cameron Highlands. Die Busfahrt dorthin war ziemlich turbulent, denn die Highlands liegen wirklich recht hoch und der Weg zu unserem Ziel verläuft in vielen engen Kurven. Felix war zwischenzeitlich ziemlich blass und mehr als froh, als wir endlich in Tanah Rata waren. Zu unserer Überraschung war es in der Gegend ziemlich kalt – ihr erinnert euch, dass wir von Singapur ein Paket mit (fast) allen warmen Sachen zurückgeschickt hatten? 😉

Bekannt sind die Cameron Highlands für ihre traumhaften Teeplantagen. Es hat leider so viel geregnet, dass uns wegen zu viel Schlamm von den Wanderwegen abgeraten wurde, also sind wir am ersten Tag zu den Cameron Valley Tea Houses 1 und 2 gelaufen und haben den lokalen Tee verköstigt. Super lecker, und die Preise waren trotz der vielen Touristen sehr fair. Kleiner Tipp: Vorbei an Tea House 2 zum Tea House 1 laufen, die Aussicht ist schöner und es ist weniger los. Auf dem Rückweg haben wir uns dann über kleine Pfade mitten durch die Plantagen geschlagen, bevor uns ein Local mit dem klapprigsten Van der Welt die letzten zwei Kilometer mit in den Ort zurückgenommen hat.

An unserem zweiten Tag haben wir für recht wenig Geld dann noch eine kleine Tour durch die Region gebucht – mit Besichtigung einer der typischen Erdbeerfarmen, eines kleinen Marktes, des Rose Centers, eines Tempels und der größten Teeplantage der Region. Am meisten überrascht hat uns das Rose Center. Von außen sieht das ziemlich unscheinbar und eher langweilig aus, aber das Gelände ist riesig und neben schönen Blumen gibt es so viel lustige Kunst zu sehen. Wer in der Gegend ist, sollte dort auf jeden Fall mal vorbeischauen.

Penang, Malaysias Street-Art-Mekka

Den Nationalpark Taman Negara haben wir bewusst ausgelassen, da uns die Strecke dorthin einfach zu weit war und wir auf unserer weiteren Reise noch einige Regenwälder zu Gesicht bekommen werden. Also ging es für uns direkt weiter mit dem Bus auf die Halbinsel Penang. Bekannt ist diese vor allem für die viele Street Art in Georgetown. Eine Gegend, durch die man wunderbar schlendern und die kleinen Kunstwerke entdecken kann. Ebenfalls ziemlich cool ist Chew Jetty, eine Art schwimmendes Dorf, das auf dem Wasser gebaut wurde. Bei unserer Rückkehr ins Hostel haben wir dann Josh kennengelernt, einen kanadischen Fahrstuhl-Designer, mit dem wir abends eigentlich nur gemütlich ein Bier trinken gehen wollten. Am Ende war der Abend so cool, dass wir bis 4 Uhr morgens zusammen saßen und geschnackt haben.

Unser letztes Ziel: Pulau Langkawi

Der letzte Stop auf unserer Route durch Malaysia war die Insel Langkawi, auf der wir drei Tage gewesen sind. Da ich in dieser Zeit Geburtstag hatte, haben wir ein bisschen mehr ausgegeben und uns ein Zimmer im Bamboo Cottage gebucht. Ein ganz neues, kleines Resort mit traumhaftem Pool etwas abseits der Touristenmeile von Pentai Cenang. Gerade weil die Insel so touristisch ist, ist leider vieles auch ganz schön teuer. Bier gibt’s allerdings steuerfrei und damit überraschend günstig, sodass man abends wunderbar am Strand lang spazieren und in einer der vielen Bars ein Bier trinken kann, während man aufs Wasser guckt oder eine der Feuershows bewundert. Faszinierend und erschreckend zugleich: Sobald es dunkel wird, erscheinen am Horizont unzählige grüne Lichter, die sogar auf Satellitenbildern sichtbar sind. Sie lassen den Himmel fast aussehen, als würde er von Polarlichtern beleuchtet. Tatsächlich gehören die Lichter aber zu Fischerbooten, die damit die begehrten Tintenfische anlocken. Das wiederum ist in Sachen Meeresschutz leider ziemlich bedenklich.

Mit dem Roller einmal rund um die Insel

An meinem Geburtstag haben wir uns dann einen Roller gemietet und sind einmal rund um die Insel gefahren – für mich eines meiner Highlights während unserer gesamten Malaysia-Zeit. Zuerst sind wir zur Langkawi Cable Car gefahren und haben nach etwas Hadern die Seilfahrt nach oben gebucht. Die Tickets sind eindeutig überteuert, der Ausblick von oben ist aber wirklich beeindruckend. Von dort ging’s zu den Seven Wells Waterfalls. Ziemlich nett, aber nichts im Vergleich zu den Kanching Waterfalls in Kuala Lumpur. Am schönsten fanden wir den Tanjung Rhu Beach ganz im Norden der Insel. Neben der überteuerten Touristenbar gibt’s dort ein lokales Restaurant, das für ganz kleine Preise super Essen macht. Und der Strand selbst? Weißer Sand, wenige Menschen, kleine Inselgruppen vor der Bucht.

Ein sehr leckeres, aber auch sehr süßes Stück Geburtstagskuchen gab’s im Arts Café Langkawi in Kuah, bevor wir dann wieder zurück nach Pentai Cenang gefahren sind. Dort haben wir den Abend mit einem Cocktail und einer Fußmassage am Strand ausklingen lassen – das Geburtstagsgeschenk von Felix’ Familie 🙂

Fazit zu unserer Route durch Malaysia

Malaysia ist ohne Frage ziemlich interessant und hat einige tolle Flecken Erde zu bieten. Wer also in Südostasien unterwegs ist, kann dem Land auf alle Fälle einen Besuch abstatten. So richtig wohlgefühlt haben wir uns in Malaysia allerdings nicht. Viele Leute wirkten auf uns ziemlich distanziert und generell fanden wir die meisten Ecken sehr touristisch. Vielleicht hätten wir lieber in ein paar abgelegenere Gegenden fahren sollen. Für unseren Geschmack waren die zweieinhalb Wochen ein guter Zeitraum für unsere Route durch Malaysia. Danach hat es uns aber in den Fingern gekribbelt, weiterzureisen.

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