Frau mit Tasse in den Händen für Start in die Selbstständigkeit
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Tschüss Sicherheit, hallo kreative Freiheit: Vom Studium direkt in die Selbstständigkeit

Ich bin Texterin. Seit etwas mehr als einem Jahr offiziell und hauptberuflich, davor zunächst zwölf Monate teilselbstständig parallel zu Master-Studium und Werkstudentenjob. Vor drei Jahren hatte ich noch nicht einmal den festen Plan, Texterin zu werden – und dann habe ich mich als genau diese direkt nach dem Studium selbstständig gemacht. Für mein soziales Umfeld mitunter ein Grund, in Schnappatmung zu verfallen. Aber erstmal der Reihe nach. Wie hat meine Reise ins Abenteuer „Selbstständigkeit“ eigentlich begonnen?

Was Poetry Slam-Bühnen mit der Selbstständigkeit zu tun haben (können)

Wie die meisten Menschen, die irgendwann vom Schreiben leben (können oder wollen), begleitet es auch mich schon gefühlt, seit ich mit einem Stift halbwegs leserliche Buchstaben auf Papier bringen kann. Als ich acht Jahre alt war, habe ich meinen ersten Roman angefangen – und ganze vier Seiten geschafft! Danach folgten Kurzgeschichten, Gedichte, Ideen über Ideen. Im April 2016 habe ich das, was bis dato nur daheim an meinem Schreibtisch passierte, zum ersten Mal nach draußen getragen. Oder besser gesagt vor knapp 300 Menschen auf die Poetry-Slam-Bühne im Wiesbadener Schlachthof. Neben meinem Fallschirmsprung aus über 5.000 Metern Höhe war das so ziemlich die aufregendste, verrückteste und beängstigende Erfahrung der letzten Jahre. Und gleichzeitig, wenn auch vollkommen unbeabsichtigt, der Start für meine Zukunft als „Kreative“.

Poetry Slam im Haus 73, Hamburg

Ein Jahr nach meinem ersten Auftritt saß ich zum ersten Mal in meinem Leben beim Finanzamt und habe ich mich für kleine bezahlte Slams als Freiberuflerin angemeldet. Die Dame vor Ort hatte zwar keine Ahnung, was Poetry Slams sind – meine erste Steuernummer habe ich dennoch bekommen.

Zur selben Zeit entschied ich außerdem, dass sechs Jahre leben und studieren in Mainz genug waren. Wohnung gekündigt, Job aufgegeben und einen herzzerreißenden Abschied gefeiert – um dann mit Sack und Pack, aber ohne Sicherheit nach Hamburg zu ziehen. Und wie es der Zufall oder das Schicksal wollte, bin ich über einen Texter-Werkstudentenjob eines Start-ups gestolpert, für den ich mich beworben habe und genommen wurde.

Zum ersten Mal durfte ich wirklich texten, hauptsächlich nach Gefühl statt irgendwelchen Regeln. Mein Studium in Kommunikationswissenschaft hat mir zwar ganz gutes Hintergrundwissen, aber wenig praktisches Texter- oder Marketing-Know-how mit auf den Weg gegeben. Einige Monate später wechselte ich dann als Werkstudentin für Text und Konzeption zu einer kleinen Hamburger Werbeagentur und lernte zum ersten Mal konkretes Handwerkszeug für mein Texter-Dasein.

Produkttexte über Produkttexte: Der Start meiner Freelancer-Karriere

Während meines Werkstudentenjobs und der Masterarbeit, die bedrohlich auf meinem Rechner wartete, nahm ich kurz nach meinem Umzug nach Hamburg auch meinen ersten freiberuflichen Auftrag an – Produkttexte schreiben. Es folgte ein zweiter – mit Produkttexten. Und ein dritter, bei dem es wieder um – natürlich – Produkttexte ging. Man könnte also sagen, meine ersten Aufträge waren eher eintönig. Eine extrem gute Übung waren sie nichtsdestotrotz.

Je näher das Ende meines Studiums rückte, desto dringlicher wurde auch die Frage, was ich danach machen würde. Vollzeit-Job in einer Agentur? Lieber ein Teilzeit-Job, um nebenbei weiter freiberuflich texten zu können? Nochmal gezielt eine Texter-Ausbildung dranhängen? Möglichkeiten gab es einige – direkt hauptberuflich vom Studium in die Selbstständigkeit zu starten erschien mir anfangs allerdings unvorstellbar. Es gab so viel zu beachten, so viele Kosten und Versicherungen, um die ich mich selbst würde kümmern müssen. Ein riesiger Berg an Hürden? Aber hallo!

“Weißt du was? Ich mach das jetzt wirklich Vollzeit!”

Im November 2017 bekam ich dann meinen ersten großen Auftrag. Von diesem aus dauerte es noch weitere vier Monate, bis ich mich dazu entschieden hatte, nach meinem Abschluss keine Festanstellung anzunehmen. Es fühlte sich wie eine riesige Entscheidung an, über die ich unzählige Gespräche mit Familie, Freunden, anderen Freiberuflern und Kollegen führte – und jeder hatte eine andere Meinung dazu. Einmal getroffen schaffte ich es allerdings, mich mit den größten Hürden noch vor dem Startschuss auseinanderzusetzen. Ich blieb noch bis zum Ende des Wintersemesters 2017/18 immatrikuliert, behielt meinen Werkstudentenjob so lange wie möglich und kümmerte mich parallel um Versicherungen, rechtliche Bestimmungen, eine eigene Website und weitere Aufträge.

Und dann kam plötzlich der 1. April 2018, ich war offiziell exmatrikuliert, hatte einen Master-Abschluss in der Tasche und keinen festen Job. Ein Gefühl, dass mir gleichzeitig eine Menge Angst eingejagt, aber auch eine noch größere Menge Motivation gegeben hat! Der Übergang war dank zweier Aufträge, die ich einfach weiterführen konnte, eher fließend. Und nun, ein gutes Jahr nach dem Startschuss in die hauptberufliche Selbstständigkeit, fühlt es sich nach der besten Entscheidung an, die ich für mich persönlich treffen konnte. Natürlich neben der, nach Hamburg zu ziehen (denn ja, manchmal scheint auch hier die Sonne). Was ich alles in Sachen Selbstständigkeit lernen durfte und musste, das erfährst du in Zukunft hier in meinem Blog. Schön, dass du da bist!

Nochmal kurz zusammengefasst:

Wie man direkt vom Studium zur Selbstständigkeit und zum Texten kommt, dafür gibt’s natürlich unzählige Möglichkeiten. Einige Punkte braucht es aber in jedem Fall:

  • ein bisschen Mut, denn der Schritt in die „Ungewissheit“ kann schon ganz schön aufregend sein. Aber in den meisten mir bekannten Fällen hat sich das Wagnis gelohnt.
  • keine Angst vor Fragen, denn von diesen gibt es eine ganze Menge. Wo auch immer sie auftauchen, einfach bei Finanzamt, Krankenkasse und Co. anrufen – die Leute dort wissen bestens Bescheid.
  • eine Portion Selbstsicherheit, denn gerade am Anfang wird es viele Gespräche und Diskussionen mit Mitmenschen geben. Egal, ob man gerade noch studiert oder schon ein paar Jahre fest gearbeitet hat. Auf die Gespräche einlassen? Ja. Sich einfach nur wegen der Möglichkeit, dass etwas schiefgehen könnte, von der eigenen Idee abbringen lassen? Nein.

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